Schriftliches Ausbildungszeugnis erstellen
In Kapitel 4.3 geht es darum, welche Zeugnisse am Ende der Ausbildung entstehen, welche Arten von Ausbildungszeugnissen es gibt und worauf Ausbilder bei Formulierungen achten müssen.
Die wichtigsten Fragen zum Ausbildungszeugnis
Welche Zeugnisse gibt es am Ausbildungsende?
Es gibt das Berufsschulzeugnis, das Prüfungszeugnis der IHK oder HWK und das betriebliche Ausbildungszeugnis.
Was ist der Unterschied zwischen einfachem und qualifiziertem Zeugnis?
Das einfache Zeugnis beschreibt Art, Dauer und Ziel der Ausbildung. Das qualifizierte Zeugnis bewertet zusätzlich Leistung und Verhalten.
Was darf nicht im Zeugnis stehen?
Abmahnungen, Krankheit, Schwangerschaft, Vergütung, Fehlverhalten außerhalb der Ausbildung oder diskriminierende Hinweise gehören nicht ins Zeugnis.
Warum das Ausbildungszeugnis wichtig ist
Das Ausbildungszeugnis begleitet den ehemaligen Azubi oft viele Jahre. Es kann bei Bewerbungen, Weiterbildungen oder beruflichen Wechseln eine wichtige Rolle spielen. Deshalb muss es vollständig, wahrheitsgemäß, wohlwollend und klar formuliert sein.
Die drei Zeugnisse am Ende der Ausbildung
Berufsschulzeugnis
Wird durch die Berufsschule erstellt und basiert auf den schulischen Leistungen. Rechtsgrundlage sind die Schulgesetze der Länder.
IHK-/HWK-Zeugnis
Wird durch die zuständige Stelle erstellt und dokumentiert die Ergebnisse der Abschlussprüfung.
Betriebliches Ausbildungszeugnis
Wird vom Ausbildungsbetrieb erstellt. Es beschreibt die betriebliche Ausbildung und kann einfach oder qualifiziert sein.
Einfaches Ausbildungszeugnis
Das einfache Zeugnis enthält keine Bewertung. Es beschreibt sachlich, wann und in welchem Beruf die Ausbildung durchgeführt wurde.
- Überschrift: Ausbildungszeugnis
- Ausbildungsbetrieb und Firmenbriefbogen
- Name, Geburtsdatum und Geburtsort des Azubis
- Ausbildungsberuf
- Dauer der Ausbildung
- Art, Ziel und Inhalte der Ausbildung
- erworbene Kenntnisse und Fertigkeiten ohne Bewertung
- Ausstellungsdatum und Unterschrift
Qualifiziertes Ausbildungszeugnis
Das qualifizierte Zeugnis enthält zusätzlich eine Bewertung von Leistung und Verhalten. Es sollte individuell erstellt und sauber aus vorherigen Beurteilungen abgeleitet werden.
Leistung
Arbeitsqualität, Lernfortschritt und Einsatzbereitschaft.
Fertigkeiten
Wie sicher und selbstständig Tätigkeiten ausgeführt wurden.
Kenntnisse
Welche fachlichen Inhalte aufgebaut wurden.
Verhalten
Umgang mit Ausbildern, Kollegen, Kunden und Team.
Zeugnisformulierungen richtig verstehen
Zeugnisformulierungen wirken oft positiv, haben aber feste Bedeutungen. Deshalb sollten Ausbilder Formulierungen bewusst und rechtssicher wählen.
- stets zur vollsten Zufriedenheit: sehr gut
- stets zur vollen Zufriedenheit: gut
- zur vollen Zufriedenheit: befriedigend
- zur Zufriedenheit: ausreichend
- hat sich bemüht: Leistung reicht nicht aus
Grundsätze der Zeugniserstellung
- Wahrheit: Aussagen müssen sachlich zutreffen.
- Wohlwollen: Das Zeugnis darf den weiteren Berufsweg nicht unnötig erschweren.
- Vollständigkeit: Alle wesentlichen Inhalte müssen enthalten sein.
- Klarheit: Formulierungen müssen verständlich und eindeutig sein.
- Individualität: Keine pauschalen Standardtexte für alle Azubis verwenden.
- Fehlerfreiheit: Rechtschreibung, Layout und Daten müssen stimmen.
Unzulässige Inhalte im Ausbildungszeugnis
Nicht alles, was während der Ausbildung passiert ist, darf im Zeugnis stehen. Besonders wichtig ist der Schutz vor Benachteiligung.
- Abmahnungen
- Vergütung
- Krankheiten oder Fehlzeiten
- Schwangerschaft
- Mitwirkung in der JAV
- Fehlleistungen oder Straftaten außerhalb der Ausbildung
- Hinweise auf Herkunft, Religion, Geschlecht oder andere AGG-Merkmale
Gute Beurteilungen machen Zeugnisse leichter
Ein qualifiziertes Zeugnis sollte nicht erst am letzten Ausbildungstag aus dem Bauch heraus entstehen. Sinnvoll sind regelmäßige Beurteilungen während der Ausbildung.
- zum Ende der Probezeit
- zum Ende des ersten Ausbildungsjahres
- vor der Zwischenprüfung
- etwa drei Monate vor der Abschlussprüfung
Was tun bei Streit über das Zeugnis?
- Gespräch zwischen Azubi, Ausbilder und Ausbildendem suchen
- Beanstandungen schriftlich formulieren
- bei Bedarf rechtliche Beratung einholen
- Korrektur des Zeugnisses verlangen
- notfalls Klage auf Zeugnisberichtigung erheben
Praxis-Tipp für Ausbilder
Schreibe das Zeugnis nicht erst aus dem Gedächtnis. Nutze Beurteilungen, Ausbildungsnachweise und Rückmeldungen aus den Fachabteilungen. So bleibt das Zeugnis nachvollziehbar, fair und rechtssicher.
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Höre dir die Podcast-Folge zum schriftlichen Ausbildungszeugnis direkt an:
Typische Prüfungsfragen aus HF 4.3
- Welche Zeugnisse erhält ein Azubi am Ende der Ausbildung?
- Was ist der Unterschied zwischen einfachem und qualifiziertem Ausbildungszeugnis?
- Welche Inhalte gehören in ein einfaches Ausbildungszeugnis?
- Welche Inhalte dürfen nicht im Zeugnis erwähnt werden?
- Welche Grundsätze gelten bei der Zeugniserstellung?
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